Glossar

Allparteilichkeit

Die Allparteilichkeit ist eine Grundhaltung des Mediators. Er nimmt alle Meinungen, Argumente und Sichtweisen der Parteien ernst und bewertet sie nicht.

Darin unterscheidet er sich von der Haltung der Überparteilichkeit, die sich von den Parteien abhebt.

Altersmediation oder Elder Mediation

Die Altersmediation ist eine Möglichkeit, Fragen rund um das Alter mit den Kindern, Enkelkindern und/oder Betreuungspersonen zu besprechen und Vereinbarungen zu treffen, die den Wünschen und Vorstellungen der älteren Menschen entsprechen.

Dabei kann es um Fragen der Organisation des Alltags gehen, um das Thema Alten- und Pflegeheim, um die Regelung von finanziellen Dingen sowie um die Themen Gesundheit und Krankheit.

Mit der Unterstützung eines Mediators werden konkrete Regelungen für das weitere Leben des älteren oder alten Familienmitgliedes festgelegt. Wichtige Unterlagen wie eine Vorsorgevollmacht, eine Patientenverfügung und Betreuungsverfügung können besprochen und ausgefüllt werden sowie die letzten Wünsche über den Nachlass in einem Testament festgelegt werden.

Bedürfnis

Bedürfnisse sind die Dinge, die den Menschen wichtig und wertvoll sind und die sie grundsätzlich oder in einem  bestimmten Moment brauchen. Es gibt Grundbedürfnisse wie Nahrung und Sicherheit oder Sekundärbedürfnisse wie Abwechslung und Großzügigkeit. Im Mediationsverfahren werden alle diese Bedürfnisse benannt, ernst genommen und nach Möglichkeit erfüllt.

Chance

„In jeder Krise steckt eine Chance“, sagt ein chinesisches Sprichwort. Durch das Herausfinden von gemeinsamen und gegenteiligen Interessen in der Mediation können sich die Parteien neu kennen lernen und haben die Möglichkeit, ihrer Beziehung eine neue und andere Richtung zu geben.

Durchführung

Das Mediationsverfahren läuft in 5 Phasen ab:

  1. Vorbereitungsphase
  2. Sachverhaltsphase
  3. Interessenphase
  4. Lösungsphase
  5. Einigungsphase

Eskalationsstufen

Die von dem Österreicher Friedrich Glasl entwickelten Stufen zeigen die Dynamik einer Konflikteskalation auf. Es sind die 9 Stufen:

  1. Verhärtung
  2. Polarisation und Debatte
  3. Taten statt Wort
  4. Image und Koalitionen
  5. Gesichtsverlust
  6. Drohstrategien
  7. Begrenzte Vernichtungsschläge
  8. Zersplitterung
  9. Gemeinsam in den Abgrund

Familienmediation

Die Mediationsverfahren im Familienrecht werden überwiegend für Paare in Trennungs- und/oder Scheidungssituationen angeboten. Dabei ist der Mediator der Vermitler zwischen den oft sehr unterschiedlichen Standpunkten über den Umgang mit den gemeinsamen Kindern, den zu leistenden Unterhalt, die Aufteilung der Vermögenswerte sowie der anderen Scheidungsfolgen. Der erfolgreiche Abschluss der Familienmediation mit einer Vereinbarung über alle Punkte dient sodann als Grundlage für eine einverständliche Scheidung.

Freiwilligkeit

Die freiwillige Teilnahme ist eine Grundvoraussetzung für ein Mediationsverfahren, da nur die Freiwilligkeit den Parteien eine kooperative Haltung und eine Einigung ermöglicht.

Geschichte

Die historischen Wurzeln der Mediation finden sich in den asiatischen Ländern China und Japan, die traditionell auf Konsens, Kooperation und Harmonie in Religion und Philosophie gesetzt haben, im antiken Griechenland sowie im Palaver (Volksversammlung) afrikanischer Stämme.  In Europa ist der Gesandte des Stadtstaates Venedig, Alvise Contarini, als Mediator in den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden in Münster und Osnabrück (1648) bekannt geworden. In Deutschland wurden die ersten Mediatoren ab 1991 ausgebildet, zu denen auch Mechthild Stockmeier aus Bielefeld gehörte.

Harvard-Konzept

Das Harvard – Modell ist der Klassiker der Verhandlungstechnik, auf dessen Grundlagen sich die Mediation entwickelt hat.

Interessen

Die Beteiligten eines Konflikts nehmen eine Position ein, von der sie zunächst nicht abrücken wollen und die die Fronten verhärtet. In der Mediation werden die hinter den Positionen liegenden Interessen herausgearbeitet,  so dass ein Verstehen der jeweils anderen Position herbeigeführt und die Verhärtung aufgebrochen werden kann.

Interkulturelle Mediation

Die Mediation bei interkulturellen Konflikten, die durch die Verschiedenheit von Nationalitäten, Ethnien und Religionsgemeinschaften entstehen, kann zu einer Klärung und Akzeptanz der Unterschiede und dadurch zum Abbau von Vorurteilen beitragen.

Joint-Venture

Wirtschaftsmediation eignet sich in besonderer Weise zur unterstützenden Kommunikation in Joint-Venture Unternehmungen.

Kommunikation

Der Begriff der Kommunikation wird so definiert, dass er eine allgemeine und umfassende Bezeichnung für solche Prozesse ist, die einen Sender, einen Empfänger, einen Kommunikationsmodus oder Kommunikationskanal sowie eine inhaltlich bestimmbare Botschaft oder Nachricht als analytische

Einheiten aufweisen, einfacher gesagt: Wer, sagt was, zu wem, womit, durch welches Medium, mit welcher Absicht, mit welchem Effekt.

Konflikt

Die Definition des Konfliktbegriffs beinhaltet, dass es Tendenzen gibt, die gleichzeitig auftreten, dabei in gegensätzliche bzw. unvereinbare Richtungen weisen und deren Verwirklichung voneinander abhängt. Sie können nicht zum selben Zeitpunkt realisiert werden. Es wird üblicherweise gesagt: “Ich habe einen Konflikt, aber es ist besser zu sagen: „Der Konflikt hat mich!“

Konfliktmanagement

Ein Konflikt kann durch die Mitwirkung eines Dritten aufgelöst werden. Welche Form der Intervention sinnvoll ist, hängt von der Eskalationsstufe (siehe Eskalationsstufe) ab. Es gibt folgende Verfahren:

Stufe 1–3: Moderation
Stufe 3–5: Prozessbegleitung
Stufe 4–6: sozio – therapeutische Prozessbegleitung
Stufe 5–7: Vermittlung / Mediation
Stufe 6–8: Schiedsverfahren / Gerichtliches Verfahren
Stufe 7–9: Machteingriff

Lösungsorientierung

Die Mediation sucht nach Lösungen, die von allen Beteiligten akzeptiert werden können, um den Streit umfassend beizulegen und für alle eine sog. „win-win“ Situation herbeizuführen.

Mediation

Es gibt eine Reihe von Definitionen für Mediation, von denen eine lautet:
Mediation ist die Vermittlung in einem Konflikt verschiedener Parteien mit dem Ziel einer Einigung, deren Besonderheit darin besteht, dass die Parteien freiwillig eine faire und rechtsverbindliche Lösung mit Unterstützung des Mediators auf der Grundlage der vorhandenen rechtlichen, wirtschaftlichen persönlichen und sozialen Gegebenheiten und Interessen selbstverantwortlich erarbeiten.

Mediation im Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen liegt wegen seiner gesellschaftlichen und sozialen Bedeutung im Interesse des Gemeinwohls und somit jeden Bürgers. Es können sich vielfältige Konflikte ergeben, wie z.B. zwischen Arzt und Patient über die Art und Weise der Behandlung, in Pflegeeinrichtungen über den Umgang zwischen Bewohnern und Pflegenden. Da diese Konflikte geprägt sind von den subjektiven Einstellungen der Parteien, entsteht ein besonderes Spannungsverhältnis, das durch die Mediation besonders gut aufgegriffen und geklärt werden kann.

Mediation in OWL

Die erste Praxis für Mediation wurde 1992 von einem Juristen und einer Diplom-Psychologin in Bielefeld eröffnet. Heute gibt es über 30 beim Landgericht Bielefeld zugelassene Rechtsanwälte/Innen, die Mediation anbieten. Daneben gibt es eine Reihe von Psychologen, Pädagogen, Theologen u.a., die ebenfalls auf diesem Gebiet arbeiten. Im Jahre 2004 wurde das „Justizmodell in Ostwestfalen-Lippe“, das die richterliche Mediation am Landgericht Paderborn als Pilotprojekt für NRW vorsah, gestartet. Mittlerweile wird die Richtermediation auch an den Landgerichten Detmold, Bielefeld sowie am Verwaltungsgericht Minden praktiziert.

Mediatoren

Die Mediation wird von folgenden Berufsgruppen angeboten, die in der Regel über eine Zusatzausbildung in Mediation verfügen oder verfügen müssen:
Rechtsanwälte, Psychologen, Pädagogen, Richter, Theologen, Sozialpädagogen, Sozialarbeiter u.a.

Mediatorenpool in OWL

Die in OWL arbeitenden Mediatoren sind größtenteils zusammengefasst, wie im Mediatorenpool des Anwaltvereins Bielefeld und dem Mediatorenpool der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld.

Neutralität

Der Mediator ist zur Neutralität verpflichtet; das bedeutet, dass er  sich zwischen den Parteien befindet und kein Interessenvertreter einer Partei ist.

Organigramm

Die Erstellung eines Organigramms oder eines Soziogramms, das die Strukturen und Hierarchien in Unternehmen, Abteilungen und Teams aufzeigt, ist ein nützliches Hilfsmittel zur Verdeutlichung von Beziehungen. Für die Probleme zwischen Familienmitgliedern oder zwischen Generationen ist ein Genogramm hilfreich.

Prozess

Der bei einem Gericht anhängige Prozess wird die Entscheidung eines Richters beendet, der außergerichtlicher Prozess eines Mediationsverfahrens wird durch die Lösungsvorschläge und daraus gefundenen Entscheidungen durch die Parteien selbst beendet.

Regeln

Das Mediationsverfahren unterliegt bestimmten Regeln, die zwischen dem Mediator und den Parteien vereinbart werden. Die Grundregeln lauten:
Zuhören, keine Unterbrechungen, keine Beleidigungen. Die weiteren Grundlagen sind Respekt und Toleranz, Freiwilligkeit, Kooperationsbereitschaft, Eigenverantwortlichkeit, Vertraulichkeit, Ehrlichkeit und Fairness.

Schulmediation

Die Mediation in der Schule wird „Streit-Schlichter-Programm“genannt. Es werden ältere Schüler zu Mediatoren ausgebildet, die bei Streitigkeiten zwischen Schülern vermitteln sollen und Lehrer, die bei Problemfällen im Kollegium, bei Lehrer-Schüler-Problemen oder bei Schwierigkeiten zwischen Lehrer und Eltern eingesetzt werden.
In Bielefeld wurde bereits ab 1990 an der „Adolf-Reichwein-Hauptschule“ ein Streit-Schlichter-Programm entwickelt und erfolgreich umgesetzt, das von vielen weiterführenden Schulen übernommen wurde.

Team-Mediation

Bei komplexeren Sachverhalten ist es ratsam, zwei Mediatoren als Team zu beauftragen, um allen Teilnehmern die erforderliche Aufmerksamkeit zukommen zu lassen und den Mediationsprozess wirksam strukturieren zu können.

Ungleichgewicht

Der Mediator hat die Aufgabe, ein mögliches zeitweiliges Ungleichgewicht zwischen den Parteien zu erkennen und die unterlegene Partei soweit zu stützen, dass das Gleichgewicht wiederhergestellt werden kann.

Vertraulichkeit

Das Mediationsverfahren unterliegt den Regeln des Berufsrechts und den freiwilligen Vereinbarungen des Mediators mit den Parteien. Die Vertraulichkeit ist eine unverzichtbare Voraussetzung für ein erfolgreiches Verfahren, da nur dadurch die Offenlegung von Interessen und Bedürfnissen möglich wird.

Wahrheit

Alle Angaben der Parteien müssen der Wahrheit entsprechen, da nur durch umfassende Informationen eine faire Lösungsfindung für alle Beteiligten möglich ist.

Xenophobie

In ihrer wertschätzenden Grundhaltung ist die Mediation ein geeignetes Verfahren zur Kommunikation über ethnische, kulturelle und nationale Grenzen hinaus.

Yin und Yang

Diese Begriffe der chinesischen Philosophie werden oft durch die Wortverwandschaft der Medation zur Meditation in Verbindung gebracht. Richtig daran ist die ausgleichende Haltung des Mediators im Prozess der Kommunikation.

Zukunftsgerichtete Mediation

Ein Mediationsverfahren hat zum Ziel, tragfähige Lösungen für die zukünftigen Beziehungen der Parteien zu finden und nicht die Aufarbeitung der zurückliegenden Zeit.